Tiere im Krieg - "They had no choice" - Sie hatten keine Wahl !!!

Anlässlich der Ausstellung ''Hunde im Krieg - Hunde als Waffe'', die vom 27.01. bis 02. Mai 2010 in Osnabrück stattfindet, habe ich ein Interview im Radio gehört.
Zwischenzeitlich stockte mir der Atem und ich konnte gar nicht glauben, was ich da höre. Das gab den Anlass, dass ich hier einiges zum Thema: "Tiere im Krieg" zusammen getragen habe.



Text zur Ausstellung:

Bereits in der Antike wurden Hunde als Waffe in kriegerischen Auseinandersetzungen zur Unterstützung der Soldaten verwendet. Doch erst Ende des 19. Jahrhunderts konzentrierte man sich auf die speziellen Fähigkeiten von Hunden – ihren hoch entwickelten Geruchs- und Hörsinn. In den modernen Kriegen des 20. und 21. Jahrhunderts wurden und werden Hunde massenhaft eingesetzt und haben Bedeutung für die Kriegsführung bekommen.

Im Ersten Weltkrieg wurden Hunde von allen Kriegsparteien eingesetzt, vorrangig als Meldehunde, zur Bergung von Verwundeten, zum Verlegen von Telefonleitungen im Frontbereich, aber auch als Maskottchen. In diesem Zusammenhang besonders "verdienstvolle" Hunde wurden mit Orden und Dokumenten ausgezeichnet. Insgesamt kamen circa 20.000 Hunde zum Einsatz.

Diese Zahl verzehnfachte sich im Zweiten Weltkrieg, in dem Hunde über die aus dem Ersten Weltkrieg bekannten Funktionen hinaus auch eingesetzt wurden, um beispielsweise Panzer zu bekämpfen.



In den nationalsozialistischen Konzentrationslagern dienten Hunde zur Bewachung der Häftlinge, aber auch als Tötungsinstrument. Hunde – insbesondere der Deutsche Schäferhund – wurden so zu einem Symbol der nationalsozialistischen Unmenschlichkeit. SS-Mann und Schäferhund dienen in der Darstellung von Konzentrationslagern und Verfolgung bis heute als Sinnbild deutscher Barbarei.

Auch in zeitgenössischen Konflikten wie dem Irak- oder Afghanistan-Krieg werden weiterhin Hunde eingesetzt, wobei ihre Funktion von der Bergung und dem Objektschutz bis hin zu nicht genau definierten Aufgabenbereichen als "Personenspürhunde" zum Beispiel bei den Truppen der Bundeswehr reicht.




Radio - Interview:

Im Interview wurde insbesondere die Rolle des Hundes im Nahost-Krieg beschrieben. Hunde werden als Sprengsatz-Depot losgeschickt und laufen mit einem auf dem Rücken fest gebundenen Sprengsatz in eine Menschenmenge, wo diese dann detoniert.
Hunde werden vorgeschickt, wenn das Land vermint ist.
Auch im 2. Weltkrieg war dieses schon Methode. Beispiel der sowjetischen Armee: Sie brachte den Hunden die Sprengung deutscher Panzer bei. In der Ausbildungsphase wurden die Hunde nur unter einem Panzer gefüttert. Vor ihrem Einsatz ließ man sie tagelang hungern und schickte sie dann mit einem Sprengsatz auf dem Rücken, der durch einen dünnen Metallstab gezündet wurde, los, damit sie den feindlichen Panzer sprengten.




Der „moderne“ Kriegshund

Der Kriegshund im modernen Sinn entstand um etwa 1900. Vor allem in Österreich, Deutschland, Russland, Frankreich und England wurden erste Versuche mit Meldehunden gemacht, die sehr erfolgreich waren. Bald folgte die Ausbildung von Sanitätshunden, um nach verwundeten oder getöteten Soldaten zu suchen und diese bergen zu können. Anfangs wurden hauptsächlich Airedale Terrier und Collies verwendet. Mit dem Verlauf des ersten Weltkrieges und vor allem im zweiten Weltkrieg wurde der Deutsche Schäferhund die führende Rasse und stellte etwa 80% der im Krieg eingesetzten Hunde dar.
Im ersten Weltkrieg wurden nur einige tausend Hunde verwendet, im zweiten Weltkrieg waren es insgesamt ungefähr 200.000, wovon allein in Deutschland und Frankreich jeweils 40.000 Hunde zum Einsatz kamen. Um genügend Kriegshunde zu haben, wurden eigene Zuchtanstalten unterhalten, die aber bald nicht mehr den nötigen Nachwuchs an Hunden liefern konnten. Deshalb ging man daran, an die patriotischen Gefühle der Hundebesitzer zu appellieren, ihre Hunde für den Kriegsdienst zur Verfügung zu stellen. Eigene „Stellungskommissionen“ zogen durch die Lande, um „Hundemusterungen“ durchzuführen. Die „tauglichen“ Hunde wurden in „Kriegshundekursen“ für ihren Einsatz an der Front ausgebildet. Wichtige Einsatzbereiche im Kriegsdienst waren Schutz- und Wachdienst, Suche und Gefangennahme von versteckten gegnerischen Soldaten und Minensuche. Die Armee der Sowjetunion bildete Hunde zur Sprengung deutscher Panzer aus.



Nicht nur Hunde

Auch andere Tierarten wurden und werden für den Krieg missbraucht.
Im ersten Weltkrieg starben allein auf britischer Seite mehr als 8 Millionen Pferde im und für den Krieg. Hundertausende Brieftauben wurden auf ihren Flügen zur Nachrichtenübermittlung verletzt oder getötet. Sogar Glühwürmchen taten Kriegsdienst. Im ersten Weltkrieg dienten sie als Lichtquelle zum Lesen von Karten oder der Feldpost.
Die Amerikaner setzen Delphine und Seelöwen ein, und erst im  Jahr 2003 wurde ein mit Sprengstoff beladener Esel von Palästinensern als "ferngesteuerter Selbstmordattentäter" gegen Israelis eingesetzt. Auch heute noch gibt es die ungenannten, ungezählten, die "zivilen" tierischen Kriegsopfer ...



Text zu Tiere im Krieg

Der Einsatz von Tieren zieht sich wie ein roter Faden durch die weltweite Kriegsgeschichte. Tiere im Kriegsdienst haben Tradition und das seit 4000 Jahren. Bis in die jüngste Vergangenheit lässt sich beobachten, dass man Tiere in den Krieg gegen Menschen schickt.

In der US-Armee werden neben intelligenten Waffen auch intelligente Robben gegen Saddam oder sonstige Staatsfeinde eingesetzt. Jake operiert aus dem Hinterhalt. Er hängt den Gegner sprichwörtlich an die Angel. Er befestigt lautlos und schnell eine Klammer am Bein des "Feindes" und ehe sich der irakische Kampfschwimmer oder tauchende Selbstmordattentäter versieht, wird er aus dem Wasser gezogen. Es gibt auch Seelöwen, die bei ihren Einsätzen einen mit Farbe gefüllten Rucksack tragen, der sich bei "Feindkontakt" entleert und so den Standort sichtbar macht. Elite-Robben des Space and Naval Warfare Systems Center in San Diego haben auch gelernt, Minen in bis zu 300 Meter Tiefe aufzuspüren und an einen Haken zu nehmen, damit man sie bergen und entschärfen kann.

Die intelligenten Robben haben inzwischen den Delphinen den Rang abgelaufen, die früher mit solchen Aufgaben betraut wurden. Robben sind offenbar gelehriger und lassen sich weniger ablenken, was neuere Kognitionsforschungen belegen, die geistige Fähigkeiten wie Motivation, Intelligenz und Disziplin eher Robben, als Delphinen zuordnen.



Die US-Marine verpflichtet seit über vierzig Jahren Meeressäuger für den Dienst. Nachdem die ersten Delphine lediglich als Modell für stromlinienförmigere und somit schnellere Torpedos dienen sollten, merkte man schnell, dass man sie durchaus auch als Biowaffe einsetzen konnte. Während des Vietnamkriegs patrouillierten Delphine in der Cam-Ranh-Bucht, nachdem feindliche Taucher amerikanische Treibstoff- und Munitionsdepots in die Luft gesprengt hatten. Die Delphine hatten gelernt, Tauchern die Mundstücke zu entreissen und sie an die Wasseroberfläche zu befördern. Delphine dienten auch während des irakisch-iranischen Krieges und im ersten Golfkrieg im Jahr 1991.

Auch die indische Armee unterhält eine Delphineinheit und über Jahrzehnte verfügte Russlands Militär ebenfalls über ein Meeressäugerprogramm, das jedoch aus Mangel an finanziellen Mitteln in den neunziger Jahren aufgeben wurde. Inzwischen experimentiert man in Russland erneut mit Meeressäugern, diesmal mit Robben. Seehunde werden für den Militärdienst abgerichtet. Die Tiere sollen sogar zu Unterwasser-Saboteuren ausgebildet werden, die beispielsweise Haftminen an U-Booten oder Schiffen anbringen können.

Angesichts lasergesteuerter Marschflugkörpern mag der Einsatz von Robben wie ein Stück Militärfolklore wirken, allerdings operieren Seelöwen effizienter und verlässlicher als jedes technische Überwachungssystem oder ein menschliches Pendant. Auch wenn man im 21. Jahrhundert beim Stichwort "biologische Waffen" eher an Milzbranderreger und Pockenviren denkt, bleiben Tiere, wie es scheint, im Krieg unverzichtbar. Sogar Pferde werden immer noch verpflichtet, obwohl es schon lange keine Kavallerie mehr gibt.



Die Schweizer Armee verfügt über sogenannte Trainkolonnen, da auch heute keine Gebirgseinheit ohne Tragtiere auskommt. Maultiere und Haflinger-Pferde sind bei jeder Witterung trittsicher in unwegsamem Gelände und auf schmalen Bergpfaden und können leicht über 100 kg Gepäck tragen.

Auch im Bosnienkrieg wurden Pferde und Maultiere für Transportzwecke genutzt und im Kosovokrieg lieferten Maultiere Nachschub für die Truppen. Pferde stehen schon seit Jahrtausenden im Kriegsdienst und man darf sie zu den bedeutendsten tierischen Soldaten zählen. So ist es nicht verwunderlich, dass Pferde und Maultiere, mit mehr als 90 % der für den Krieg genutzten Tiere, die weitaus grösste Gruppe im "Militärzoo" darstellen.

Pferde dienten in ihrer langen Geschichte als Kriegsteilnehmer nicht nur Transportzwecken. Sie wurden auch als "Waffe" eingesetzt. So hat die "Kapriole", ein Sprung, den heute noch regelmässig die Lipizzaner an der Spanischen Hofreitschule in Wien zeigen, ihren Ursprung im Krieg. Den entsprechenden Hilfen des Reiters folgend, sprangen die Schlachtrösser in die Luft und schlugen mit aller Gewalt nach hinten aus. Manchem Angreifer, der sich von hinten zu nähern versucht hatte, wurden durch die Gewalt der beschlagenen Hufe schwerste Verletzungen zugefügt.

Abermillionen von Pferden gingen an und in Kriegen zugrunde. Allein im 2. Weltkrieg wurden über 30.000 Pferde erschossen, weil man sie nicht mitnehmen konnte und sie nicht lebend den feindlichen Truppen überlassen wollte. Nicht minder grausam wurden und werden Maultiere oder Esel als bombentragende Selbstmordattentäter geopfert.



Neben ihrer Funktion als Transportmittel, lebender Proviant und "biologische Waffe" dienen bzw. dienten Tiere als Wachposten, Nachrichtenübermittler, Minenräumer oder Gasmelder. Gänse waren für ihre unbestechliche Wachsamkeit bekannt, Tauben konnten Nachrichten über hunderte von Kilometern unauffällig und zielsicher transportieren und Hühner oder Kanarienvögel stellten durch ihr Überleben sicher, dass ein Bereich gasfrei war.

Während man Tauben wegen ihrer Unauffälligkeit nutzte, wurden Elefanten aufgrund ihrer respekteinflössenden Auffälligkeit eingesetzt. Die grauen Riesen schlugen über Jahrhunderte zahllose Schlachten im gesamten südlichen Asien, in Nordafrika und Europa. Wobei man annehmen darf, dass Elefanten eher der psychologischen Kriegsführung dienten, als dass man ihre enormen Kräfte nutzte. Allerdings gewöhnten sich feindliche Truppen recht schnell an den imposanten Anblick und es wurden effektive Massnahmen ergriffen, um die Schwergewichte ausser Gefecht zu setzen.

So schoss man beispielsweise mit brennenden Pfeilen auf die Tiere, oder man fügte ihnen schwere Verletzungen mit Lanzen und Streitäxten zu. Es wird sogar berichtet, dass den Elefanten die Rüssel abgetrennt wurden oder man ihnen brennende Schweine entgegenjagte, um sie durch die Schmerzschreie der Schweine, auf die die Elefanten panisch reagierten, in die Flucht zu schlagen. Da in Panik geratene Elefanten auch die eigenen Truppen niederrannten, wurden sie nicht selten durch ihre Reiter für immer "gebremst", indem diese den Tieren mit Hammer und Meissel die Halswirbelsäule durchtrennten.



Neben Pferden waren Hunde die am häufigsten Kriegsdienst leistenden Tiere. Sie dienten als Schlitten-, Sanitäts-, Wach-, Minen- oder Meldehunde. Vor der Erfindung der Schusswaffen zogen Perser, Römer oder Griechen sogar mit speziell für den Kampf gezüchteten Hunden in die Schlacht. Auch im Mittelalter wurden äusserst bissige Hundemeuten in die Reihen der gegnerischen Kavallerie getrieben.

Im 2. Weltkrieg spezialisierte man Hunde darauf, unter Panzern nach Futter zu suchen und schnallte ihnen im Einsatz gegen feindliche Panzer dann Sprengstoff auf den Rücken.

Die tierische Kriegsgeschichte verfügt über eine bemerkenswerte Artenvielfalt. Von Elefanten, Kamelen, Wasserbüffeln und Lamas über Pferde, Maultiere, Hunde, Delphine und Robben, bis hin zu Gänsen, Hühnern, Fledermäusen, Tauben und sogar Glühwürmchen wurden die unterschiedlichsten Tiere für unterschiedlichste Aufgaben genutzt.

"Sie hatten keine Wahl"



Am 24. November 2004 weihte Prinzessin Anne in London an der Park Lane, am Rand des Hyde Parks ein ganz besonderes Denkmal ein, das "Animals in War Memorial". Es soll an die Millionen Tiere erinnern, die in den Kriegen und Konflikten des 20. Jahrhunderts den britischen und alliierten Streitkräften dienten, für sie litten und starben. "They had no choice", (Sie hatten keine Wahl) lautet die Inschrift der Gedenkwand aus Portland-Stein, in die neben Pferden und Hunden auch Elefanten, Kamele, Ziegen und Tauben als Relief eingearbeitet sind. Zwei in Bronze gegossene, mit Kriegsgerät beladene Maultiere gehen auf die Gedenkwand zu. Ein bronzener Hund und ein lebensgrosses Pferd hinter der Gedenkwand komplettieren das umgerechnet etwa 1,5 Millionen Euro teure Denkmal.