Privat in Zadar - v. Adrienne und Magnus
Von Herzen danke ich Adrienne und Magnus !!!!
Im September dieses Jahres sind mein Verlobter Magnus und ich nach Zadar
gefahren um dort unseren Urlaub zu verbringen. Mit Zadar haben wir beide
UNSER Reiseziel gefunden, fühlen uns dort unheimlich wohl und seit 4
Jahren fahren wir zweimal jährlich runter. Durch Zufall haben wir die
Hundeauffangstation Zadars entdeckt und per Internet Kontakt zu den
deutschen Ansprechpartnerinnen Mirna und Katja aufgenommen. Wir haben
uns die Auffangstation anschließend angesehen, was uns emotional sehr
aufgewühlt und zu tiefst betroffen gemacht hat. Wir sind heute noch von
den Eindrücken geprägt und denken jeden Tag aufs Neue an die Tiere dort
unten.

Die 300 Hunde, die wir dort gesehen haben, haben uns sehr bewegt.
14 Zwinger gibt es, einige der Hunde sind vor den Zwingern an Ketten, da
es leider sehr häufig zu Beißereien in den Zwingern kommt, so dass Hunde
separiert werden müssen, was bei 300 Hunden natürlich nicht zuletzt ein
großes Platzproblem darstellt. Viele der Hunde haben schlimme Bisswunden
und Verletzungen, sie jaulen laut auf, wenn sie gerade wieder angegriffen
werden. Viele resignieren einfach nur noch und liegen tief traurig in
einer Ecke herum. Wie traurig Hundeaugen blicken können – das kann man
mit Worten gar nicht beschreiben. Wir haben in die Augen dieser
Geschöpfe geschaut wie sie an den Zäunen ihrer Zwinger standen und uns
mit ihren Blicken um Gnade und Überleben gebeten haben – das ist
unbeschreiblich. Man fühlt sich dabei so hilflos und machtlos und denkt
„wie kann man bloß diesem Leid entgegenwirken?“.
So viele von ihnen wollten von uns gestreichelt werden. Sie haben sich
gegenseitig umgerannt um ja der jenige zu sein, der gestreichelt wird
und Aufmerksamkeit bekommt. So viele Hunde. Auch Welpen. Die kleinen
Welpen haben uns gar nicht mehr losgelassen, haben uns am Hosenbein
umarmt und wollten kuscheln. Kamen auf unseren Schoß und wollten nicht
mehr runter. Der Helfer, der uns herumgeführt hat, hat uns auf englisch
erklärt, dass Marijana, die Leiterin der Station, sich rund um die Uhr
um die Hunde kümmert, sie kämpft wirklich um jedes Tier und opfert sich
für diese Tiere auf. Sie hat auch noch 30 Katzen, die sie bei sich zu
Hause hält. Sie ist ständig für die Tiere im Einsatz. Hilfe durch die
Stadt kommt wenn überhaupt nur sehr sporadisch, die Hilfe ist auch sehr
dürftig und aktuell wurde sie sogar ganz eingestellt! Die großen
Futterbehälter waren leer. Wir sind sofort losgefahren und haben große,
15-kg-Futtersäscke geholt mit Trockenfutter, Konserven-Hundefutter,
Juniorfutter und Katzenfutter. Das ganze Auto beladen fuhren wir zurück
zur Auffangstation mit dem Wissen, dass dies nur für 2 Tage reichen
wird. Es sind schließlich 300 Hunde! Es war ganz ganz schwer wieder zu
gehen!!!
Wie immer haben wir auch jeden Tag unsere Runden gemacht um Katzen zu
füttern. Halbe Tage sind wir herum gelaufen mit Futter. Wir haben mit
der Zeit durch vorherige Urlaube viele Katzen auf bestimmten Hinterhöfen
und in anderen Wohnsiedlungen in Zadar entdeckt, die abgemagert und in
schlechter Verfassung waren. Und diese Stellen laufen wir dann täglich
ab. Hierbei sind mir 2 kleine Kätzchen ganz besonders nahe gegangen. Ein
nur paar Monate altes Geschwisterpärchen: Ein getigerter kleiner Junge
mit großen, traurigen Augen und ein weiß-graues kleines, ängstliches
Mädchen. Sie waren immer zusammen, jeden Tag. Egal um welche Tageszeit
wir kamen, sie waren immer im Doppelpack. Ich habe sie so sehr ins Herz
geschlossen, dass es schon damals für mich schwer war abzureisen als der
Urlaub zu Ende war, mit dem Wissen, unter welchen Umständen sie dort
leben. Einen Monat später, im Oktober sind wir aufgrund eines
Billigflug-Angebotes ganz spontan wieder nach Zadar (in diesem Jahr zum
3. Mal) und ich habe mich schon so sehr nach „meinen“ zwei Kätzchen
gesehnt und wollte wissen, wie es ihnen geht, ob sie wohlauf sind oder
was los ist.
Wir sind auf den Hinterhof, wo sie immer waren im September, ich habe
sie gerufen und prompt kamen sie auch ängstlich hervor. Auf diesem
Hinterhof von wirklich uralten Wohnhausblöcken (wer Zadar kennt: hinter
dem Restaurant Jadera, das sich in der Fußgängerzone befindet) befindet
sich ein verlassener Bildhauer-Hof, der mit einem riesigen Eisentor
abgesperrt ist, wo die Katzen durch die Gitter aber ein und aus gehen
können. Auf diesem Bildhauer-Hof ist kein Mensch, es kommt auch keiner
dort hinein, weil das Tor zugesperrt ist. Es sind überall Steine,
Grabmale und Steinskulpturen. Wahrscheinlich ist der Bildhauer schon
länger gestorben und man weiß nicht, wohin mit all den Steinen. Der
ganze Hof ist voller alter Steine. NICHTS außer Steine. Der Untergrund
ist aus Beton. Die Katzen haben dort nichts, wo sie sich hinlegen
können. Sie schlafen auf Beton! Das habe ich mit eigenen Augen gesehen.
Einmal als wir kamen, war eines der Kätzchen im Tiefschlaf – Mitten auf
dem Platz auf bloßem Beton. Kommen sie aus diesem Bildhauer-Hof hervor,
sind sie sofort auf dem Hinterhof von diesen uralten
Mehrparteien-Wohnhäusern wo sie von den Anwohnern verhasst sind und
weggescheucht werden. Also bleiben sie meist dort drinnen auf dem
Steinhof. Dort kann ja niemand herein. Dort sind sie wenigstens vor
Tritten verschont.
Im September war der kleine Bruder verschnupft, er hat eitrigen Ausfluss
aus der Nase und den Augen gehabt, hat ständig genießt, hatte schlimme
Atemgeräusche. Die kleine Schwester hatte im September die gleichen
Symptome, aber nicht ganz so extrem wie der Bruder. Sie waren extrem
scheu, wenn wir näher kamen, waren sie sehr verschreckt, die Augen
voller Angst, die Körpersprache sprach für sich. Ich habe im September
an einem Tag sogar Stunden bei den beiden verbracht, habe mich zu ihnen
gesetzt und viel zu ihnen gesprochen, habe mich ruhig hingesetzt und
ihnen gezeigt, dass ich gar nicht näher kommen will und dass sie keine
Angst haben brauchen. Ich habe langsam Würstchen ausgepackt. Wegen des
großen Hungers kamen sie dann immer näher und so haben wir sie füttern
können. Schritt für Schritt immer ein bisschen mehr Vertrauen gewonnen.
Sie haben gemerkt, dass von uns keine Gefahr ausgeht. Sie ließen sich
trotzdem nicht streicheln, vor Händen hatten sie extreme Angst. Sobald
man mit der Hand entgegen kam, haben sie mit ihren Pfötchen Richtung
Hand geschlagen, wie „Spuckies“ es ja immer machen. Sie haben zwar immer
ein bisschen mehr Vertrauen gehabt, haben aber immer einen gewissen
Abstand bewahrt und ließen uns nur nahe ran, wenn wir was zu essen
gezeigt hatten. Zum Schluss des Urlaubes war es so, wir kamen an, ich
habe sie am Eisentor gerufen und sie kamen angerannt und wussten, jetzt
gibt´s was zu essen.
Als wir dann einen Monat später im Oktober ankamen, war ich wie gesagt
sehr sehr gespannt, was los ist. Sie kamen hervor. Der Bruder hat immer
noch stark eitrigen Ausfluss gehabt, er hat beim Atmen solche Geräusche
gemacht, wie ein stark asthma-kranker Mensch. Das Atmen hat sich so
krank angehört, der kleine Racker tat mir so leid. Die kleine Schwester
hat sich nur noch in Zeitlupe bewegt, sie war nur noch am schleichen!
Als ich sie gesehen habe, habe ich mich richtig erschreckt. Sie ist vom
Körperbau sehr schlank, aber der Bauch war merkwürdig dick. Wenn man sie
von hinten angeguckt hat, sah es aus, wie rechts und links richtige
Fahrradtaschen. Und sie hatte Schmerzen, da sie sich immer nur sehr
vorsichtig bewegt hat und nach kurzer Fütterung sich wieder zurück
gezogen hat. Ich habe mir die größten Sorgen gemacht. In den 4 Tagen
unseres Aufenthaltes haben wir sehr viel Zeit bei den beiden verbracht.
Wir haben uns den Kopf zerbrochen, was wir machen könnten. Das Problem
war, dass sie so scheu waren, dass wir sie nicht einfangen konnten.
Sobald man mit der Hand näher kam, war es aus. Sie hatten solche Angst.
Und wenn wir sie hätten einfangen können, dann hätten wir sie einem
Tierarzt vorzeigen können, aber aufgrund der schweren Erkrankungen hätte
ein Behandlungstag nicht genügt. Dort gibt es keine Tierkliniken, wo man
Tiere über Tage dort lassen kann. Am nächsten Tag hätten wir sie erneut
einfangen müssen und so was ist ein Ding der Unmöglichkeit. Hätten wir
vielleicht die eine gehabt, wäre die andere aus Angst sofort weg
gewesen. Beide waren sehr scheu. Wie sollten sie auch anders sein als
scheu und voller Angst – sie hatten von Menschen ja bloß Schlechtes
erfahren. Und was wäre nach den 4 Tagen gewesen. In 4 Tagen ist so was
nicht durch gestanden. Ein Antibiotikum muss man 10 Tage spritzen. Es
war also sehr sehr schwierig. Mich hat es richtig fertig gemacht. Aber
so richtig. Einmal saßen wir abends im Restaurant beim Abendessen und
die beiden gingen mir nie aus den Gedanken, ich habe das ganze
Abendessen über mit den Tränen kämpfen müssen. Irgendwann hat mich
Magnus dann auf die beiden angesprochen, ob ich deshalb so traurig bin –
dann konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten. Ich war fix und
fertig. Nach dem Abendessen sind wir dann ganz spät abends noch mal zu
ihnen hin. Es war stock-dunkel, sie saßen auf dem Beton-Boden aneinander
gekuschelt am nießen und am schniefen. Ein herzzerreißendes Bild.
Am nächsten Tag haben wir einen Karton besorgt, im Supermarkt Handtücher
gekauft und eine große Plastik-Schüssel. Wir wollten, dass sie
wenigstens was haben, wo sie sich zum Schlafen reinlegen können. In den
Karton haben wir Zeitungspapier gelegt, darauf die Handtücher. In die
große Plastik-Schüssel ebenfalls Handtücher gelegt. Dann sind wir zu
ihnen hin. Sie haben sich riesig gefreut, sind sofort zusammen in den
Karton und haben sich reingelegt, haben sich gegenseitig geputzt. Sie
kannten so was nicht, hatten so was noch nie gehabt. Nun mussten wir
aber irgendwie diesen Karton und die Schüssel durch das Eisentor
bekommen, weil auf dem Anwohner-Hinterhof wird so was sofort
weggeschmissen. Magnus ist noch mal losgegangen und hat einen Besenstiel
gekauft. Wir haben durch die Eisengitter den Karton reingedrückt und mit
dem Besenstiel weiter rein geschoben, dass sie nicht direkt am Eisentor
liegen, wo es jeder sieht. Nun, so ein Besenstiel ist leider auch nicht
so lang, also konnten wir die Sachen nicht allzu weit reinschieben. Das
andere Problem war, dass es genau an dieser Stelle tierisch gezogen hat.
Der Wind war am pfeifen, dort war ein riesen Windzug. Also war die ganze
Aktion nicht zufrieden stellend. Sie hatten zwar jetzt ein Plätzchen zum
reinlegen, waren aber somit weiterhin voll im Durchzug. Am nächsten Tag
kamen wir wieder zum Füttern. Wir sahen, dass dort auf Zeitungspapier
Fisch auslag und die Katzen waren am essen. Auf einmal schreit uns ein
alter Mann auf kroatisch an, ich nehme an, was uns einfällt, die Katzen
zu füttern. Aber richtig agressiv und unverschämt. Er dachte, wir hätten
den Fisch dort hingelegt. Er nahm das Zeitungspapier mit den Fischen
hoch, hat auf den Boden agressiv rumgetrampelt und die Katzen
weggescheucht. Das kleine Schwesterchen konnte nicht rennen, weil sie so
krank war und der große Bauch hat sie auch nicht gelassen, ich habe
nicht genau gesehen, ob er sie getroffen hat oder nicht. Sie konnte nur
sehr langsam flüchten. 2 andere ältere Anwohnerinnen haben uns auch
ausgeschimpft auf kroatisch. Wir haben sie ignoriert, wie den ersten
Mann.
Später sind wir noch mal hingegangen mit Whiskas und Sheba im Gepäck.
Dann habe ich auch den lieben älteren, armen Mann gesehen, der dort
anscheinend öfter mal Fisch für die Katzen hinbringt. Er kam legte
schnell Zeitungspapier auf den Boden mit Fisch. Die Katzen kamen.
Ungefähr 6 – 8 Katzen sind dort immer. Das kleine Geschwisterpärchen und
andere erwachsene Katzen. Ich habe den Mann sofort angesprochen, er
konnte leider kein englisch, nur ein par Brocken. Er hat mir zu
verstehen gegeben, dass er sofort wieder verschwinden muss, weil die
Anwohner das nicht dulden und die Anwohner die Katzen hassen und sie weg
haben wollen. Ich habe mich tausendmal bedankt, dafür dass er trotzdem
Fisch gebracht hat und schon war er weg. Er kam aus sehr sehr armen
Verhältnissen und von dem Bisschen was er hat, hat er die Katzen
gefüttert. Die Begegnung hat noch nicht mal 2 Minuten gedauert, er war
so schnell weg. Ich wollte ihn eigentlich noch so viel fragen. Man
konnte nämlich auf diesen Stein-Hof nicht drauf. Von allen Seiten
eingemauert und das große Eisentor war zugesperrt. Ich wollte gern den
Karton und die Schüssel am liebsten zwischen all den Steinen verstecken,
damit sie nicht so im Durchzug sind. Das Problem war, wo der Durchzug
war, der kurze Eingangsbereich also, dort war es überdacht. Dahinter wo
der Steinhof anfing, war es nicht überdacht. Da hätten sie also sowieso
nicht schlafen können, wenn es geregnet hätte. Und der überdachte
Eingangsbereich war sehr windig und da gingen ja vor dem Eisentor die
Anwohner hin und her. Alles nicht gut.
Es kam der Tag der Abreise. Ich war fix und fertig. Ich wusste, dass wir
für diese beiden Tiere keine Ausreisepapiere bekommen würden, selbst
wenn wir sie hätten einfangen können. Und außerdem kriegen wir sie nicht
in den Flieger, weil die ganz normalen Transport-Boxen breiter sind als
25,5 cm. Diese Breite ist wiederum von der Fluggesellschaft mit der wir
geflogen sind, aber vorgeschrieben. Und außerdem haben wir auch unsere 3
Katzen zu Hause, die wir schon getrennt halten müssen, weil unsere
15-Jährige Angst vor den beiden anderen 1-jährigen Kätzchen hat. So hat
sie das Schlafzimmer für sich, da will sie auch nie raus und die beiden
anderen die restliche Wohnung. Also wie sollten wir dann noch 2 neue
Kätzchen unterbringen, die womöglich ansteckend krank sind. Es war zum
Verrücktwerden. Wir sind schweren Herzens nach Hause geflogen. Immer nur
habe ich an die beiden denken müssen. Ich habe daran gedacht, dass ich
von zu Hause aus die Leiterin der Hundeauffangstation, Marijana, über
die Kätzchen informiere und beschreibe, wo sie sich befinden, hinter dem
Restaurant Jadera - habe ja auch Fotos gemacht, dass man den Hof hätte
wieder finden können. Als wir dort waren, hatte sich Marijana gerade
einen Arm gebrochen, so dass wir sie auch gar nicht persönlich
kennenlernen konnten und sie hat zu der Zeit ganz andere Probleme gehabt
mit einem gebrochenen Arm, 300 Hunde, 30 Katzen, Krankenhaus,
Arztbesuche, ihr eigener Haushalt, das kann man sich ja vorstellen. Aber
ich hätte sie über E-Mail erreicht und ihr auf englisch die Situation
schildern können. In der Nacht von Samstag auf Sonntag sind wir zu Hause
angekommen. Am Sonntag habe ich die Wohnung geputzt. Aber ich konnte
mich auf nichts konzentrieren. Es war sehr schlimm. Mir tat das so weh:
Den beiden Kätzchen ging es dermaßen schlecht – dann noch die Bilder und
Eindrücke aus dem Shelter, wie die Hunde uns angeblickt haben. Es war
schlimm!
Am Montag Abend (wir sind ja zuvor samstags nachts von Zadar gerade mit
dem Flieger wiedergekommen) sind wir dann 1 Tag später mit unserem Auto
zurück nach Zadar mit dem Vorhaben die beiden kranken Katzen zu holen
und bei uns aufzunehmen, aufzupeppeln und ihnen ein schönes Leben bei
uns zu bieten. Wir haben alles tausend mal durchgesprochen, den ganzen
Montag. Ich hatte nur ein Ziel vor Augen, die beiden zu holen. Die ganze
Zeit haben wir besprochen, welche Möglichkeiten wir haben, was wir
machen könnten usw. Wir haben dann letztendlich 2 Käfige eingepackt,
Katzentoilette, Katzenstreu, Handtücher, Wolldecken. Magnus ist schnell
noch zum Fressnapf gefahren um noch Einiges zu besorgen, ich habe in der
Zeit ein paar Sachen eingepackt und dann: los. Wir sind montags abends
18:30 gestartet, die ganze Nacht über durchgefahren, morgens um 8 Uhr
sind wir hundemüde in Zadar angekommen, 1400 km hinter uns (wir wohnen
in Krefeld, NRW). Wir waren so was von geschafft, hatten zuvor ja nicht
geschlafen. Wir haben uns ein Zimmer genommen, bis Mittags geschlafen,
sind dann zu dem Hof gefahren um zu gucken, ob die Kätzchen da sind. Sie
waren da. Ich war so froh, als ich sie gesehen habe, ich habe sie so
sehr ins Herz geschlossen. Der Karton, den wir dort in den Steinhof
geschoben haben und die Schüssel waren natürlich weg. Unglaublich.
Anscheinend hat wohl so eine Art Hausmeister Zugang zu dem Hof, der dann
den Karton und die Schüssel mit den Handtüchern weggeschmissen hat. Wir
sind schnell was essen gegangen, haben dann aus dem Auto die 2
Katzenkörbe geholt.
Mit Würstchen wollten wir die Kleinen in die Körbe locken, dass uns das
tatsächlich gelungen ist, ist mir heute noch schleierhaft. Nur deshalb,
weil sie 2 Tage nichts zu essen hatten und sie so einen großen Hunger
hatten, dass sie sogar halb in die Körbchen gegangen sind, aber in
ängstlicher Körperhaltung, immer auf dem Sprung. Das Ganze musste
absolut gleichzeitig geschehen, denn sobald eine der beiden merkt, hier
stimmt was nicht, ist es aus. Innerhalb von Bruchteilen von Sekunden ist
sie dann weg und die andere auch. Und in solch einer Situation kämpfen
sie um ihr Leben und entwickeln große Kräfte, kratzen und beißen um
sich, dann hätten wir sie nicht mehr festhalten können. Das musste also
wirklich auf die Sekunde genau gleichzeitig passieren. Magnus hockte an
einem Korb, ich an dem anderen. Beide hatten wir ein Stückchen Wurst
hinten in den Käfig gelegt, als sie dann halb drin waren, haben wir sie
am Po ruckartig schnell rein geschoben und flux den Käfig zugesperrt.
Sie haben so einen Schrecken bekommen, sind in dem Käfig hin und her
gesprungen, haben sich dann nach ein paar Minuten gefangen. Seit dem wir
weg waren, haben sie anscheinend nichts mehr zu essen bekommen, solch
einen Hunger hatten sie und nur so haben wir sie in die Käfige bekommen.
Wir sind gegen 17 Uhr aus Kroatien wieder los gefahren und waren morgens
gegen 6 Uhr zu Hause. Die ganze Fahrt war so was von schwer, ich war fix
und fertig. An den Grenzübergängen habe ich eine riesige Angst gehabt,
gezittert, dass sie nicht ausgerechnet dann miauen. Ein deutsches Auto
vor uns musste an der Grenze seinen Kofferraum herzeigen. Als wir das
gesehen haben, haben wir nur gedacht, hoffentlich müssen wir das nicht
auch, denn sonst fliegt alles auf. Wir haben sie immer kurz vor der
Grenze abgedeckt, sie waren an den Grenzkontrollen am schlafen und haben
Gott sei Dank nicht miaut. Wir mussten zum Glück unseren Kofferraum
nicht öffnen. Es ging alles gut. Anfangs haben sie sehr laut miaut und
zwar hat eine den anderen gerufen und umgekehrt. Dann habe ich sie
zusammen in eine Box gelassen, damit sie sich gegenseitig haben und sich
aneinander kuscheln können. So war es auch und so haben sie sich ganz
langsam dann gefangen. Wenn man sie an der Grenze entdeckt hätte, dann
hätten wir gesagt, dass es unsere Katzen sind, die wir mit in den Urlaub
genommen hatten. Ich hatte 2 internationale Impfpässe von unseren
eigenen Katzen dabei. Alter und Farbe stimmen zwar nicht mit den beiden
Kätzchen überein, aber ein Kroate oder Slowene würde ja nicht unbedingt
die Farben auf deutsch deuten können. Die ganze Fahrt lagen meine Nerven
dermaßen blank, ich war richtig fertig. Habe den beiden immerzu Wasser
angeboten, sie wollten nicht trinken. Wenn eine Katze aufgeregt ist,
kann man so viel Wasser anbieten, wie man möchte, sie wird erstmal nicht
trinken. Irgendwann spät in der Nacht, hatten sie dann doch so viel
Durst gehabt, dass sie das Wasser endlich angenommen haben und haben
dann angefangen zu trinken. Dann haben sie beide ganz viel getrunken.
Später habe ich sie dann kurz im Auto herausgelassen, damit sie ihr
Geschäft machen konnten. Wir hatten so viele Handtücher dabei, selbst
wenn sie was in die Box gemacht hätten, hätte ich sofort wieder alles
bereinigen können. Wir waren darauf gut vorbereitet. Ich habe auch immer
wieder gefühlt, in die Box haben die beiden Kleinen nicht gemacht. Sie
waren einfach so lieb und waren gleichzeitig so hilfebedürftig, noch
ahnten wir gar nicht, wie schwer krank sie waren.
Zu Hause angekommen, haben wir die Wohnung in 3 Bereiche aufgeteilt.
Unsere 15-Jährige ist ja im Schlafzimmer, das ist ihr Reich, die Tür ist
dort zu. Dort hat sie ihre Ruhe, auch ihre eigene Katzentoilette. Die
beiden anderen hatten dann das Wohnzimmer, Küche und Balkon für sich,
auf dem Balkon auch eine eigene Katzentoilette. Und die beiden neuen
Kätzchen hatten erstmal den Flur, das Badezimmer und die Toilette mit
ihrer eigenen Katzentoilette. Der Durchgang, das Wohnzimmer hat eine
Glastür, die habe ich sofort mit Zeitungspapier abgeklebt, damit die
beiden Kranken sich erstmal eingewöhnen konnten und sie die anderen
Katzen gar nicht sehen. Wir sind morgens tot-müde ins Bett gefallen.
Haben ein paar Stunden geschlafen, dann bin ich mit den beiden noch am
selben Tag zu unserer Tierärztin gegangen. Seitdem täglich 14 Tage lang.
Sie haben beide ganz schlimmen Katzenschnupfen, der unbehandelt zum Tod
führt. Über 40 Fieber, die Kleine hat auf kein Antibiotikum
angeschlagen, das Fieber ist nicht runter gegangen, sie stand auf der
Kippe. Nach einer Ultraschalluntersuchung hat man auch den Verdacht auf
Darmverschlingungen oder möglicherweise abgestorbene Früchte gehabt, das
erklärte evtl. den großen Bauchumfang, der plötzlich da war. Die Kleine
hat außerdem noch einen Riss/Bruch im Brustkorb, was man auf dem
Röntgenbild gesehen hat. Und Verletzungen auf dem Rücken, hat man auch
auf dem Röntgenbild sehen können und große Schmerzen auf dem Rücken,
wenn man den Rücken abtastet, schreit sie an einer bestimmten Stelle
auf. Wahrscheinlich vom Treten/Schlagen. Ich habe bei beiden ein großes
Blutbild sofort machen lassen. Und auch auf Fiv und Leukose testen
lassen. Die Fiv- und Leukoseergebnisse waren negativ Gott sei Dank. Aber
beim Blutbild kam heraus, dass bei beiden die Leukozytenanzahl sehr hoch
ist. Normal wäre zwischen 6.000 und 11.000. Der Tiger hatte 17.000 und
das Mädchen sogar 33.000! Da bei der Kleinen das Fieber am 4. Tag immer
noch nicht von über 40,3 runter ging, hat die Ärztin den Verdacht auf
die tödliche Krankheit FIP gehabt und hat auch schon über ein evtl.
Einschläfern gesprochen. Am nächsten Morgen sollte die Not-OP
stattfinden, in dem sie den Bauch abgesucht hätte, warum er auf einmal
so dick geworden ist und bei über 40 Fieber, kann es gut sein, dass das
Kätzchen die Narkose nicht überlebt, hat sie gesagt. Aber da das Fieber
nicht runter ging, muss man operieren, weil evtl. die Ursache für das
hohe, antibiotika-resistente Fieber im Bauch liegt, sagte sie. Das war
sonntags. Magnus hat sich eingeschaltet und hat die Ärztin gefragt,
warum die Kleine nicht auch dieses Serum bekommen würde, was der kleine
Tiger gegen seinen eitrigen Augen- und Nasenausfluss bekommen hat. Denn
bei ihm haben wir nach dem Serum eine Besserung festgestellt, er hat
auch danach erst angefangen zu essen, die ersten 4 Tage hat er nämlich
nichts essen wollen. Die Ärztin hat gesagt, bisher hat sie das Serum
nicht bekommen, weil sie keinen eitrigen Ausfluss hatte, sie hatte nur
wasser-klaren Ausfluss aus Augen und Nase. Magnus hat noch mal
nachgehakt und sie gebeten, bei der Kleinen auch das Serum zu spritzen.
Das ist ein Serum gegen Katzenschnupfen. Die Ärztin hat gesagt, ok, wir
können es ja mal ausprobieren. Der OP-Termin stand für den nächsten
Morgen.
Am nächsten Morgen bin ich hin, wir haben unseren Augen nicht getraut,
das Fieber ist endlich runter gegangen!!! Vom Serum! Die Not-OP musste
nicht stattfinden. Diese OP hätte die Kleine evtl. nicht überstanden.
Ich war überglücklich, dass das Fieber runter gegangen ist. Magnus hat
ohne es zu wissen sozusagen ihr Leben gerettet. Denn er hat am Tag
zuvor, am Sonntag darum gebeten, ihr auch dieses Serum zu spritzen, was
der Bruder bekommen hat. Ansonsten hätte sie das Serum nicht bekommen
und das Fieber wäre nicht runter gegangen und die OP hätte stattfinden
müssen. Die Ärztin hat bei dem Mädchen Verdacht auf FIP gehabt und hat
sie mit dem Katzenschnupfenserum nicht behandelt, weil sie keinen
eitrigen Ausfluss hatte wie der Bruder. Es wurde über Einschläfern
gesprochen! Ich war völlig fertig und hing so an diesen beiden armen
Tieren. Wir wollten alles tun um sie zu retten. Beim Tiger waren die
Symptome auf Katzenschnupfen ganz eindeutig, deshalb ist sie nach 2
verschiedenen Antibiotika, die nicht angeschlagen haben, auf das Serum
übergegangen. Bei dem Mädchen nicht, da hat sie am Anfang noch nicht den
Verdacht auf Katzenschnupfen gehabt hat, deshalb hat sie bei ihr auch
noch nicht das Serum gespritzt. Fatal. Nuancen im Leben….Magnus bestand
darauf, Gott sei Dank war das wie gesagt ein Tag VOR der geplanten OP.
Die OP fiel also dann aus. Danach am Tag ist das Fieber aber leider
wieder hoch, dann haben sie beide noch mal das Serum bekommen, dann ist
das Fieber wieder einigermaßen runter gegangen. Wir haben zu Hause auch
Fieber gemessen und einmal täglich wurde in der Praxis gemessen. Es war
immer ein Hoffen voller Angst…..
So langsam nach über einer Woche pendelte sich das Ganze so ein, dass es
nicht mehr lebensgefährlich war. Das Mädchen nießte aber immer noch
ständig und schnupfte. Der kleine Tiger hat sich besser erholt, er tobte
dann schon durch die Räume, man hat deutlich gemerkt, ihm geht es schon
wesentlich besser. Dann durften wir sie zu den anderen Katzen lassen,
hat die Ärztin gesagt. Unsere Katzen sind gegen Katzenschnupfen und
Katzenseuche geimpft, jährlich einmal bekommen sie immer ihre
Auffrischung. Als wir sie zueinander gelassen haben, ist alles
glimpflich abgelaufen, da ist mir auch ein Stein vom Herzen gefallen.
Wir ließen sie nun paar Stunden zusammen unter Aufsicht, danach kamen
sie erstmal wieder auseinander, damit alle ihre Ruhephasen hatten. Die
beiden neuen Kätzchen haben die ersten paar Tage nur geschlafen, waren
so erschöpft, ich glaube es waren die ersten paar Male, dass sie ohne
Angst richtig schlafen konnten. Ich hatte überall für sie warme
Fleece-Decken ausgelegt, Körbchen und Kartons. So dass sie sich selbst
ihre Plätze aussuchen konnten, aber auf jeden Fall hatten sie es warm,
egal wo sie sich hingelegt hatten. Die Kleine hatte es zunächst aber
noch nicht überstanden, war aber auch schon auf dem Weg der Besserung,
hatte aber immer wieder Rückschläge. Der kleine Tiger atmet schon ohne
Geräusche und hatte nach einer Woche nur noch ganz wenig Nasenausfluss,
ansonsten putz munter. Sie hätten ohne Behandlung nicht mal mehr paar
Wochen gehabt, sagte die Ärztin. Beide hatten so hohes Fieber – ohne
Behandlung hätten sie keine Chance gehabt. Ich bin überglücklich und
liebe die beiden so sehr, wie unsere anderen Katzen. Durch die täglichen
Tierarztbehandlungen habe ich jetzt schon über 1000 € bezahlt. Das
Abholen hat allein schon 500 € gekostet. Es folgen noch Tierarztbesuche,
die Kastrations-Operationen haben wir gerade hinter uns. Aber ich bereue
keinen einzigen Cent und bin überglücklich, dass es ihnen besser geht
und wir das Schlimmste hinter uns haben. Hier werden sie ein schönes
Katzenleben haben. Sie finden unsere riesen-Katzenbaumlandschaft toll,
waren schon bis ganz oben, sind herumgeklettert. Überall haben sie
Versteck-Plätzchen, wo sie sich zurück ziehen können. Man sieht von Tag
zu Tag, dass sie fitter werden. Sie putzen sich gegenseitig, kuscheln
sich aneinander, verstehen sich auch mit den anderen gut. Der Tiger ist
ein Kuschel-Kater, er will immer schmusen, die Kleine hat sich erst nach
1 Monat steicheln lassen. Sie hatte von Tag zu Tag ein kleines bisschen
mehr Vertrauen. Sie hat aber sehr sehr viel durchgemacht und es braucht
noch viel Zeit, bis sie ihre Angst verliert. Ihre Verletzungen, die mir
auf dem Röntgenbild gezeigt wurden, kommen ja nicht von ungefähr. Ein
Brustkorb-Bruch und die Brüche auf dem Rücken – das sind ganz klare
Zeichen für Misshandlungen. Ich mag gar nicht daran denken, dass sie
getreten und geschlagen worden ist. Sie ist jetzt gerade 6 Monate alt
und hat schon so viel durchgemacht in ihrem kleinen Leben. Das ist
unglaublich.
Magnus sagt, viele andere verstehen nicht, wenn man so was macht, was
wir gemacht haben. Viele sagen, im großen Zoofachhandel gibt es Katzen
für 200€ zu kaufen. Man hat keine Probleme mit ihnen, weil sie gesund
sind. Warum kauft man sich nicht einfach dort 2 Katzen und gut ist,
denken sie. (Was übrigens stimmt, dort gibt es gezüchtete Hauskatzen zu
KAUFEN, das konnte ich gar nicht glauben, bis ich es selbst im
Zoogeschäft gesehen habe). So. Aber bei mir war es ja nicht so, dass ich
mir 2 neue Katzen anschaffen wollte, mal abgesehen davon, dass wir
niemals vom Züchter kaufen würden, wo überall die Tierheime überquellen
und im Ausland die Tiere es noch schlimmer haben. Nie würden wir vom
Züchter kaufen. (Ich habe mein ganzes Leben lang schon Katzen gehabt und
alle meine bisherigen Katzen hatte ich aus dem Tierheim oder habe
ausgesetzte Fundkätzchen aufgenommen.) Ich habe schlicht und ergreifend
zu diesen beiden Babys so eine emotionale Bindung aufgebaut und als ich
dann einen Monat später gesehen habe, wie schlecht es ihnen geht, ging´s
mir auch schlecht und ich musste was tun. Und ich wusste, wenn wir sie
dort ihrem Schicksal überlassen, dann haben sie nicht mehr lang. Der
Tiger hat so schlimme Atemgeräusche gehabt, geräuspert, Eiter genießt,
Nase war verklebt, dass er nicht mehr riechen konnte. Im schlimmsten
Fall hört eine Katze auf zu essen, wenn sie nichts mehr riechen kann. So
oder so hätten sie es nicht geschafft. Die Kleine konnte sich kaum noch
bewegen. Und solchen totkranken Katzen nehmen Leute auch noch den Karton
weg – unbegreiflich. So was kann ich einfach nicht verstehen. Übrigens
hat der Bauch bei der Kleinen durch die Behandlung mit dem Serum auch
deutlich an Umfang verloren. Bei der Kastrations-OP wurden keine
abgestorbenen Früchte entdeckt und auch keine Darmverschlingungen, der
große Bauch kam von der Entzündung, die sie im Körper hatte. Alle
Kätzchen schlafen gerade, sie sind versorgt, haben gegessen, sind
wohlauf, alles ist in Ordnung – das ist ein gutes Gefühl. Ich bin so
froh. :-) Ich habe sie Cecilia und Felix genannt. Sie sind unheimlich
lieb und süß und ich liebe sehr! Seit dem 29. Oktober haben wir sie und
sie haben sich in diesen 5 Wochen bei uns schon toll entwickelt. Neben
der ganzen medizinischen Versorgung haben wir sie mit Spezialfutter und
Vitaminpasten aufgepeppelt. Sie spielen und toben und fühlen sich wohl.
Gechippt und geimpft sind sie auch schon, die Nachimpfung findet jetzt
Ende Dez. statt. Dann haben sie erstmal die ganze Tortur, die ein
Tierarztbesuch jedes Mal mit sich bringt, überstanden. Ich bin froh,
dass wir so gehandelt haben und nun alles überstanden ist und sie ein
schönes, langes Katzenleben bei uns haben können.
Adrienne & Magnus
neue Bilder Dezember 2008: