Zirkus - Kein Applaus für Tierquälerei
Elsbeth, das Bassinpferd
Eine moderne mittelalterliche Geschichte
Es war einmal ein Zwergflusspferdchen names Elsbeth. Elsbethchen lebte in einem wunderschönen bunten Zirkuswagen. Der war riesengroß: mehrere Meter lang. Den durfte Elsbeth mit ihrer kleinen Schwester teilen und damit sie nicht heraus fielen, hatte der liebe Zirkusdirektor rundherum dicke Eisenstäbe angebracht.
Das Leben in dem Zirkuswagen war unheimlich interessant. Jeden Tag gab es etwas anderes in den vier Ecken zu entdecken. Liebe Menschen legten dort Schokolade hin und allerlei zum Spielen: leere Cola Dosen, Kronkorken oder Zigarettenkippen. In dem Riesigen Badebecken durfte Elsbethchen stundenlang dümpeln. Der liebe Zirkusdirektor hatte dafür gesorgt, dass das Becken auch nicht zu tief ist, denn beim Tauchen könnte Elsbeth sich zu sehr abstrampeln.
Alle Exoten im Zirkus dürfen in hübschen vergitterten Wägelchen leben, die so naturnah gebaut sind, dass kein Löwe oder Affe oder Elefant oder Tanzbär sich zu sehr abstrampeln muss. Während der Fahrt ist das auch sehr praktisch. Elsbeth hat großen Spaß daran, durch die ganze Welt gekarrt zu werden. Auf heißen Asphaltstraßen, in muffigen Eisenbahnwaggons, im Bauch schlingernder Schiffe lernen alle Tiere die Welt der Menschen kennen. Zum Dank dafür geben sich alle große Mühe, tolle Kunststückchen zu lernen.
Die Menschen sind immer ganz gerührt, wenn die niedlichen Braunbärchen mit schicken roten Maulkörbchen auf zwei Beinen Polka tanzen. Früher hat man das den Bärchen beigebracht, indem man sie jeden Tag auf heißen Eisenplatten spazieren führte und dabei lustige Musik spielte. Aber ein richtig moderner Zirkusdirektor lässt sich heutzutage doch nicht lumpen und schafft für die etwas dümmeren Tiere elektrische Übungsgeräte an. Elektroschocks sind außerdem Fell schonend und der berühmte Pferdeliebhaber Schoxemülle hat uns ja schon genau gezeigt, wie man das fachgerecht macht.
Leider darf Elsbethchen mit ihrer Schwester noch nicht bei den tollen Vorführungen in der Arena dabei sein: Wenn die Elefanten - so wie sie es auch in der Natur bestimmt gerne machen - einen Kopfstand machen und die Eisbären - wie daheim - Motorroller fahren, muss sie noch in Ihrem schönen Wagen bleiben.
Die ganz dummen Tiere, denen man gar nichts beibringen kann, wie z.B. Krokodile und Schlangen, aber auch irrsinnig gewordene Affen (das ist so lieb, dass der Zirkusdirektor die bei sich aufnimmt), kann der Zirkusdirektor noch ganz hervorragend für die große Zoo-Schau gebrauchen. Alle Aufbewahrungsbehälter werden dann für immer verriegelt, und die Menschen bezahlen für das ganze "Still-Leben" EineMarkFuffzig. 
Denn Natur und Tierliebe finden die ganz doll oberschlauen allemal im Zirkuszelt: Wildtiere! Fachgerecht der Natur entnommen, sachgerecht der Freiheit entrissen, artgerecht eingesperrt hinter Gittern, verhaltensgerecht dressiert und finanzgerecht verbraucht.
Das alles hat der liebe Zirkusdirektor Elsbethchen erzählt, als diese von 10 starken Männern "heim" gezerrt wurde, total abgestrampelt von einem Fluchtversuch in die freie Natur. Aber dieser unnatürliche Ausflug in die Wildnis hat jetzt - waidmannsdank - ein Ende.
Wo kämen wir denn hin, wenn alle Tiere wieder dort hin wollten, wo sie hingehören? "Zum exotenfreien Zirkus" jammerte der Direktor - und raufte sich die Haare und verschloss die Gitter seiner geliebten vierbeinigen Sklaven noch ein bisschen fester.
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